Oederaner Stadtporträts

2014
– Dr. h. c. Richard Heyder
– Gerhard Köhler
– Johannes Seifert
– Kammersänger Helmut Klotz

Herausgeber: Kultur- und Kunstverein Oederan e.V.
NOTschriften Verlag / Radebeul
ISBN 978–3–940200–97-6

Cover & KlappentextInhaltsverzeichnisBeschreibungÖffentliche Stimmen / Rezensionen

Cover & Klappentext

Schon vor einigen Jahren überlegten wir, die Mitglieder des Kultur- und Kunstvereins Oederan e. V., wie wir ein Stück Geschichte unserer Stadt, die Lebenswege und Erfahrungen verschiedener Bürger als Zeugen ihrer Zeit festhalten und für nachfolgende Generationen bewahren können. Aus der Idee wurde nun ein Buch – es entstanden diese Porträts.

Vier Oederaner kommen hier zu Wort und erzählen aus ihrem Leben. Für die literarische Bearbeitung dieses Projektes konnten wir die Schriftstellerin Elisabeth Melzer-Geissler gewinnen. Die Entstehung dieses Buches wurde auch möglich durch die finanzielle Förderung des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus. Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Mitwirkenden.

Erika Wünsch (Kultur- und Kunstverein Oederan e.V.)


Inhaltsverzeichnis

 Inhaltsverzeichnis


Beschreibung

In der ersten Ausgabe der „Oederaner Stadtporträts“ lernen Sie vier Persönlichkeiten der sächsischen Kleinstadt kennen: Dr. h. c. Richard Heyder, den „Vater der sächsischen Ornithologie“, Schuldirektor Gerhard Köhler, Bäckermeister Johannes Seifert und Kammersänger Helmut Klotz, der über Jahrzehnte als Solist und als Leiter des Leipziger Synagogalchores weit über Deutschlands Grenzen hinaus wirkte. Diese Biografien sind durch ihre Verschiedenheit in gewisser Weise bezeichnend für das 20. Jahrhundert, die authentisch, doch auf sehr unterschiedliche Weise Erfahrungen der Zeitgeschichte widerspiegeln.

Am 16. März 2014 wurden im Bürgersaal Oederan / Markt 7 vier „Oederaner Stadtporträts“ durch die Autorin des Buches vorgestellt:

Dr. h. c. Richard Heyder (1884 bis 1984), der als Rekrut im Ersten Weltkrieg noch persönlich dem letzten sächsischen König begegnete und als „Vater der sächsischen Ornithologie“ gilt [ Verein Sächsischer Ornithologen e. V. /  Nachruf von Erich Frank ]

Schuldirektor Gerhard Köhler, der als überzeugtes SED-Mitglied über Jahrzehnte Schüler- und Lehrer-Generationen der Stadt prägte.

Bäckermeister Johannes Seifert, der als gläubiger Christ seit den Fünfzigerjahren in der Kirchgemeinde aktiv war und nach der Wende auch in der Kommunal-Politik mitwirkte und

– last but not least – begegnet Ihnen der vielfach ausgezeichnete Kammersänger Helmut Klotz, der als prominenter Künstler über mehrere Jahrzehnte, als Solist der Leipziger Oper und als Leiter des Leipziger Synagogalchores, vor und nach der Wende zahlreiche Konzerte in aller Welt gab. Nie hat er seine Geburtsstadt aus den Augen verloren. Regelmäßig konzertierte er in Oederan und war auch am 16. März in seiner Heimatstadt anwesend.

In Zusammenarbeit zwischen dem Kultur- und Kunstverein Oederan e. V. und Elisabeth Melzer-Geissler, die in Oederan ihre Kindheit und Jugend verbrachte, entstand durch das Studium der autobiografischen Aufzeichnungen Dr. Heyders sowie durch Interviews mit den drei Porträtierten Köhler, Seifert und Klotz, nach zahlreichen Gesprächen und Recherchen in Stadtarchiven dieses Buch, das zur Leipziger Buchmesse im März 2014 im NOTschriften Verlag Radebeul erschien.

Gehen Sie mit Dr. Richard Heyder auf Reisen von der näheren Umgebung bis in die Karpaten und genießen Sie bei allen Erzählungen seinen ausgesprochen wohltuenden Humor.

Erinnern Sie sich mit Gerhard Köhler an die „sozialistische Erziehung“, an den Aufbau der Polytechnischen Oberschule in den Fünfziger- und Sechzigerjahren unter Einbeziehung der Firmen der Stadt.

Lassen Sie Johannes Seifert von den schwierigen Bedingungen erzählen, unter denen sich Christen in der DDR zu bewähren hatten, weil die SED weitgehend das gesamte öffentliche Leben beherrschte und Atheismus als einzige Weltanschauung in Kindergärten, Schulen und Universitäten, in Jugendorganisationen und Firmen propagiert wurde.

Schauen Sie mit Helmut Klotz gemeinsam über unsere Grenzen hinaus. Sein erfolgreiches Leben ist geprägt von tiefen Erschütterungen. Sein Einsatz als Künstler für die jüdische Kultur hat ihm seit den Siebzigerjahren in Leipzig mehrfach Morddrohungen eingebracht.

Ausführliche Anmerkungen im Buch zu jeder Biografie lassen die einzelnen Lebensgeschichten im historisch-politischen Kontext erscheinen und verständlich werden.

So lernen Sie durch Dr. h. c. Richard Heyder nicht nur einen kleinen Ausschnitt der Fauna, sondern auch weltweit bekannte Ornithologen kennen. Sie gehen mit ihm anhand seiner eigenen Erzählungen auf Reisen und erfahren, dass sogar der „Grzimek der DDR“, Prof. Heinrich Dathe [ Wikipedia / MDR-Porträt / Video-Reportage ] aus Ost-Berlin, häufig in der kleinen sächsischen Stadt Oederan zu Gast war – zu Besuch bei Dr. h. c. Richard Heyder.

Sie besuchen mit Gerhard Köhler während des 2. Weltkrieges und in den ersten Jahren danach das Freiberger Gymnasium und können ihn um seine humanistisch ausgerichtete Bildung und um die mutigen Lehrer in der NS-Zeit beneiden, die ihm sogar die damals verbotene Literatur zugänglich machten. Vielleicht gewinnen Sie neue Lesetipps.

Ihre eigenen Erinnerungen werden wach, wenn Johannes Seifert von der „Wendezeit“ erzählt, die schließlich – dank Gorbatschows eingeschlagenem Weg – zur Friedlichen Revolution in der DDR führten. Sie werden versetzt in die Zeit, in der auch in Oederan die Türen der Kirche für alle weit offen standen und jeder das Gefühl hatte: Es muss sich etwas ändern, etwas Grundsätzliches in unserer Gesellschaft, nicht nur der „Außenputz“.

Tauchen Sie ein in die Erlebnisse des Künstlers Helmut Klotz, in dessen Biografie sich die erschütterndsten politischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts widerspiegeln: Starb der Bruder seiner Mutter, der in Oederan bekannte Antifaschist Albert Richter, an den Folgen der Misshandlungen durch die Chemnitzer Gestapo, wurde sein Vater in einem Konzentrations-Lager der Sowjets umgebracht. Für Helmut Klotz aber wurde zum tiefsten Anliegen seines Lebens, durch die Kunst Versöhnung und Menschlichkeit in die Welt zu tragen. Er wurde neben vielen hohen Auszeichnungen für seine Bemühung um Aussöhnung ins Goldene Buch von Jerusalem eingetragen.

Die aufgezeichneten Gespräche wurden im Auftrag des Oederaner Kultur- und Kunstvereins geführt. Hiermit liegt ein erster Teil der Oederaner Geschichte des 20. Jahrhunderts in dieser Form vor – als Mosaik-Stein – denn wir hatten nicht zu allen Dokumenten Zugang. Selbst das Stadtarchiv weist große Lücken auf, da Akten im Zuge der „Entnazifizierung“ nach 1945 auf Dauer vernichtet wurden.

Die Kenntnisnahme einiger Dokumente wurde uns von anderer Seite her verwehrt. Und auch jeder einzelne Befragte gibt nur den Aus-Schnitt seiner Biografie preis, den er erinnert oder erinnern möchte.

Dieses Buch, das auch dank der Unterstützung des sächsischen Ministeriums für Kultus möglich wurde, ist ein Versuch, zum Gespräch über die Vergangenheit zu ermutigen, damit die Aufarbeitung der Geschichte vor Ort weitergehen kann.


Öffentliche Stimmen / Rezensionen

Simone Raatz, Abgeordnete des Deutschen Bundestages, schrieb am 18. März 2014 auf ihrer Webseite zu den Oederaner Stadtporträts

Rezension von Dieter Saemann, Ehrenvorsitzender des Verein Sächsischer Ornithologen e. V.

Freie Presse
Porträtbuch begeistert

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