Durchs Fenster geguckt (Buch)

2011 / Buch
Episoden aus einem sächsischen Pfarrhaus von Elisabeth Melzer‑Geissler.
NOTschriften Verlag / Radebeul
ISBN 978-3-940200-64-8

Cover & KlappentextInhaltsverzeichnisBeschreibungÖffentliche Stimmen / Rezensionen

Cover & Klappentext

Elisabeth Melzer-Geissler verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Oederan, in Sachsen. Um das Pfarrhaus dieser Kleinstadt in den Fünfziger- und Sechzigerjahren drehen sich alle Erzählungen in diesem Buch.

Nach ihren religiös geprägten Gedichten in „Wenn der Wind unsere Seele streift“ und den eher nachdenklichen Erzählungen in „Schweigen ist Silber“ über DDR-Alltag, Übersiedlung und Lebenserfahrung, nach der Herausgabe von „Dresden. Ein Lesebuch“, geht es in den vorliegenden Kurzprosatexten um Kindheits-Episoden, die zum Schmunzeln anregen. Sie sind eine Antwort auf die Frage eines jungen nachfolgenden Pfarrers, was sich rund um das Haus in der Pfarrgasse Nummer 1 früher so abgespielt hat.

Die Autorin und Musikdozentin lebt mit ihrer Familie seit 1984 in Schleswig-Holstein, ist aber regelmäßig und gern in Sachsen.

„Durchs Fenster geguckt“ gibt es auch als Hör-CDs – von Elisabeth Melzer-Geissler selbst gelesen – mit musikalischen Zwischenstücken zu vier Händen, begleitet von Iris Geissler.

 


Inhaltsverzeichnis

Blick aus dem Fenster 7
Jingle Bells 11
Ein feste Burg 16
Gewusst wie 20
Abschied 25
Von Flecken, Blut und Krebsen 29
Das Ledersofa 33
Im Pfarrgarten 35
Die Umsiedlerin 39
Schöne Bescherung 42
Hochzeitsblumen und eine
defekte Fahrradbeleuchtung 49
Seltsame Sparbücher 54
Kissenschlachten und Wasserpistolen 57
Zirkusträume 64
Morgensport 70
Vergebliche Liebesmüh 73
Elf Jahre war es her 85


Beschreibung

Der Koffer war gepackt, der Hausrat der Eltern um einiges erleichtert. Allein zog die Sechzehnjährige in die sächsische Kunstmetropole, um sich aufs Abitur vorzubereiten neben der daran gekoppelten Berufsausbildung. Fünfzig Kilometer entfernt von den Eltern wollte sie sich ihr ‚Zelt‘ einrichten und später Medizin studieren. Sie setzte sich noch einmal, vis-a-vis des Lutherdenkmals, aufs Fensterbrett ihres Kinderzimmers, so der Text zu Beginn des handlichen Taschenbuches.

Während sich die Jugendliche, mit dem Blick nach draußen zur Kirche hin, an (meist) heitere Episoden ihrer Kinderzeit erinnert, schauen die Leser nach drinnen ins Pfarrhaus und auf manches, was dort so passierte: Sie erleben einen Pfarrer, der fast seinen Gottesdienst verpasst, gehen mit dem Kirchenvorstand auf Suche nach einem geheimnisvoll versteckten Erbe und erleben eine durch die Stadtbehörde verordnete Störung eines Reformationsgottesdienstes, die einen besonderen Ausgang nimmt und andere, weitaus lustigere Zwischenfälle. Auch in Pfarrhäusern sitzt den Kindern mitunter der Schalk im Nacken. Schauen Sie mit den Pfarrerskindern durchs Schlüsselloch des Arbeitszimmers des Gemeindehirten und lassen Sie sich überraschen.

Aus Kindern werden Leute und so endet das Buch:
… draußen vorm Pfarrhaus, unter den Augen Luthers, trainierte sie als Fünfjährige das Springen von der Treppe, immer eine Stufe höher hinauf, bis der Absprung von der Mauer gelang.
Gestern Ankunft, heute Abschied.
Morgen …

Die erste Lesung zu „Durchs Fenster geguckt“ fand im August 2010 in der Oederaner Stadtkirche statt. Der gut gefüllte Raum und die Heiterkeit, die am Abend aufkam sowie das Echo danach verdeutlichten: Die Texte gehören gedruckt und gesprochen. Das im Frühjahr fertiggestellte Manuskript wurde in Dresden bei audiolis eingespielt – mit den vollständigen Texten sowie Klavier-Stücken von A. Diabelli zu vier Händen, mit den Stücken, die – mit dem Oederaner Kantor zur Seite – die Autorin als Kind gespielt hatte.


Öffentliche Stimmen / Rezensionen

Gudrun Büttner
Oederan

Donnerstag ist Oma-Tag, der Zug bringt mich in 60 Minuten von Oederan nach Dresden, der Bus Nr. 64 zum Fetscherplatz und nach wenigen Minuten umarmt mich meine fünfjährige Enkelin Lina Charlotte im Kindergarten. Die fast dreijährige Henrike erwartet uns schon sehnsüchtig bei der Tagesmutter.

Abends, auf dem Futon im Kinderzimmer, stets das gleiche Ritual: „Oma, erzähl’ was, als du ein Kind warst!“ – bittet mich mit strahlenden, gar nicht müden Augen meine Lina. Hier öffne ich, zum wievielten Mal eigentlich, mein Fenster in die Vergangenheit …

Mit großer Freude habe ich die dargestellten Episoden in einem Ritt gelesen und dabei oft herzhaft gelacht und gestaunt: Wie ist es möglich, sich nach so vielen Jahren so genau an die eigene Kindheit im Pfarrhaus in der sächsischen Kleinstadt zu erinnern.

Die liebevoll geschilderten Details, meist mit feinem, manchmal auch hintergründigem Humor verbunden, lassen auch in mir Bilder aus gemeinsam Erlebtem in Kurrende und Kindergottesdienst wach werden. Auch ich wurde während eines Gottesdienstes von dem wortgewaltigen Pfarrer Geissler zum Aufstehen vor aller Augen aufgefordert, weil ich offenbar die Predigt durch mein zu lautes Schwatzen gestört hatte.

Unvergessen sind die fröhlichen Kindergeburtstagsfeiern im Pfarrhaus und im großen Garten, bei denen wir uns in großer Runde zu Spiel und Spaß versammelten. Besonders das Ritual des Nachhausebegleitens der kleinen Gäste hat sich bei mir fest ins Gedächtnis eingegraben. Jedes Kind wurde unter Gesang (meist des Kanons: Der Hahn ist tot) von der gesamten Familie bei den Eltern abgeliefert.

Das Buch ist den Oederaner Freunden gewidmet. Uns allen hat Elisabeth mit diesem Büchlein ein heiteres Geschenk bereitet, für welches ich an dieser Stelle ein herzliches Danke sagen möchte.

Außerdem ergeben sich für mich daraus vielfältige Anregungen, wenn meine Enkelin mich donnerstags vor dem Einschlafen bittet: „Oma, erzähl‘ was…“

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